BahnBielefeld.Magazin  -  Der City-Express
Es gibt sie u. a. in Hannover und New York. Express-Züge, die nur an bestimmten Haltestellen stoppen, um einen Fahrzeitvorteil insbesondere in den Hauptverkehrszeiten zu erwirken. Während die Hannoverschen Stadtbahnwagen der Linie 1 in der Früh-HVZ einige Haltestellen einfach auslassen, fahren die Expresszüge der New Yorker U-Bahn in eigenen Tunnelröhren, um die "Local-Trains" überholen zu können.

Inhalt

  Der City-Express
  Fahrplan und Betriebsablauf
  Fahrzeugeinsatz
  Pannen, Beschwerden, das Ende und die Überreste

Der City-Express

Auch in Bielefeld gab es so etwas. Straßenbahnen zwischen der Endstelle Senne und der Bielefelder Innenstadt, die schon in den 70er Jahren Fahrzeiten erzielten, die heute durch stadtbahnmäßigen Trassenbau und Vorrangschaltungen an Ampeln erreicht werden. Allerdings hatte das damalige Konzept einen Kompromiss: die kurzen Fahrzeiten wurden durch das Auslassen zahlreicher Haltestellen realsiert.


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Vom 5. bis 23. Juni 1972 wurde zwischen Sennestadt und dem Jahnplatz versuchsweise eine Schnellverbindung eingerichtet, die durch das Auslassen bestimmter Haltestellen sowie durch eine schnelle Umsteigebeziehung in Senne von der Buslinie 15 (heute 135) und einer Schnellstraßenbahn realisiert wurde, die von den damals vierzehn Haltestellen zwischen Sennefriedhof und Jahnplatz nur vier bediente. Auch auf der Buslinie 18 (heute 38) wurden zwischen Oerlinghausen und Sieker solche Schnellfahrten angeboten.

Fahrplan und Betriebsablauf

Im Fahrplan 1973/74 (gültig ab 30.09.73) tauchte der City-Express nach erfolgreicher Einführungsphase erstmals als Regelangebot auf; während der Schulferien ruhte der CE-Verkehr.

Bis zum Sommer 1976 galt auf den Bielefelder Straßenbahnlinien ein 10-Minuten-Grundtakt. Vier City-Express-Fahrten um 6.52, 7.02, 7.12 und 7.22 Uhr verstärkten die Planfahrten der Linie 1 ab Senne. Danach wurde der Grundtakt auf 12 Minuten ausgedünnt und es wurden nur noch drei CE-Fahrten um 6.54, 7.06 und 7.18 Uhr angeboten.


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Die CE-Busse der Linie 15 bedienten bis Vennhofallee alle Haltestellen; ab dort wurde bis Senne ohne Zwischenhalt durchgefahren. Dort wartete eine City-Express-Straßenbahn, die unmittelbar nach dem Umsteigevorgang die Fahrt Richtung Bielefeld Mitte fortsetzte. Dabei wurden nur die Haltestellen Brackwede Kirche, Brackwede Bahnhof, Eggeweg, Bethel und Jahnplatz angefahren. Vom Jahnplatz fuhren die CE-Kurse nach Sieker oder Baumheide bzw. Milse mit Bedienung aller Haltestellen.

Fahrplanmäßig benötigte die Express-Straßenbahn von Senne zum Jahnplatz 19 Minuten - ein Plankurs war 23 Minuten untwerwegs. Zusammen mit dem Fahrzeitvorteil der CE-Busse aus Sennestadt, dem Wegfall zahlreicher Haltestellenaufenthalte und der damit einhergehenden Reduzierung von Verspätungsrisiken sowie durch die verkürzte Umsteigezeit in Senne ergaben sich reale Fahrzeitverkürzungen von bis zu zehn Minuten!

Fahrzeugeinsatz

Der City-Express wurde in der Regel mit solofahrenden GT6 bestückt. Anfangs trugen die Expresswagen ein rotes Vorsteckschild mit dem Hinweis "CE City Express". Ab etwa 1974 wurden bei den Straßenbahnen dreistellige Linienfilme im Nummernwürfel eingebaut, die die alten Steckschilder ablösten. Gleichzeitig kam eine neue Zielfilmgeneration zum Einbau, die auch den City-Express-Schriftzug aufwies, so daß bei den Straßenbahnen auf das Vorsteckschild verzichtet werden konnte.

Entsprechend ihrem Ziel waren die Schnellbahnen mit den 1974 eingeführten Linienbezeichnungen 52 (Senne - Sieker) oder 54 (Senne - Baumheide/Milse) sowie mit "City Express" im Zielfilm beschildert. Am Jahnplatz wurde auf das Endziel umgeschildert.


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Seitlich wiesen die Filme der GT6 und GT8 auch außen eine Perlschnur auf, die die Haltestellen anzeigten, an denen der City-Express gehalten hat. An der Front war es ein Schriftzug in weiß auf rot, später wurden die Farben bei den Filmen der Stadtbahnwagen invertiert.

Da die CE-Kurse zum Teil vor ihrem Expresseinsatz andere Verstärkungsleistungen fuhren und Linien und Ziele damals noch von Hand eingestellt werden mussten, kam es auch beim City-Express teilweise zu Beschilderungen wie "E City Express" oder "E1 City Express".

Pannen, Beschwerden, das Ende und die Überreste

Der CE-Anschluß in Senne wurde in der Anfangszeit von einem anwesenden Verkehrsmeister überwacht, der dem Fahrer des Expresszuges den Abfahrauftrag manuell erteilte. Nachdem die Verkehrsmeister abgezogen wurden kam es hin und wieder zu verpassten Anschlüssen, da die Bahn vor dem Eintreffen des CE-Busses abfuhr. Zum Teil wartete die zu früh abgefahrene Express-Bahn dann an der nächsten Haltestelle auf den folgenden Plankurs, damit die Passagiere umsteigen konnten. Dies hatte zahlreiche Beschwerden zur Folge, so daß später der City-Express erst nach Freigabe durch die Verkehrszentrale die Endstelle verlassen durfte.

Häufig kam es auch vor, daß der City-Express zwischen Bethel und Jahnplatz den vorangefahrenen Plankurs einholte und sich hinter ihm einreihen musste. Beschwerden von Fahrgästen, die sich dadurch benachteiligt sahen, daß der City-Express an "ihrer" Haltestelle durchfuhr, führte zur Einrichtung zusätzlicher Zwischenstops und damit zur weiteren Verwässerung dieses Systems.

Im Januar 1980 wurde der City-Express im Straßenbahnbereich aufgegeben, bei der Buslinie - im Zuge der VOW-Gründung in 115 umbenannt - war zum Fahrplanwechsel 1980/81 Schluß. Der City-Express war gestorben; die Kurse wurden in reguläre Linienfahrten, die mit dem Grundfahrplan einen 6-Minuten-Takt ergaben, umgewandelt.


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Scheinbar hat man sich bis heute nicht so ganz von dem Gedanken getrennt, irgendwann einmal wieder einen City-Express durch Bielefeld fahren zu lassen. Denn bisher durfte der markante Schriftzug sämtliche Zielfilmgenerationen zieren, und auch im Seitendisplay kann er angezeigt werden. Ferner sind auch die Busse in der Lage, den City-Express darzustellen. Bei dem hier gezeigten Foto des Wagens 636 wurde er um das U-Bahn-Sonderzeichen ergänzt.

Foto- und Recherchennachweis

(1) = VT, Heft 10/1972
(2) = Matthias Gehrmann
(3) = Fahrplanbuch Stadtwerke Bielefeld 1977/78
(4) = Abfotografiert von Originalzielfilm
(5) = Rekonstruiert von Originalzielfilm
(6) = Tobias Kurre

Bei den Recherchen zu diesem Thema wurde ich unterstützt von Herrn Jochen Quernheim und den Bielefelder Verkehrsbetrieben moBiel.

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