BahnBielefeld.Magazin  -  Kuriositäten und Ausgefallenes
Sachen, die erst beim zweiten oder dritten Hinsehen auffallen - Dinge, die man unter Umständen gar nicht wahrnimmt - Kleine Pannen oder einfach Begebenheiten, die dem Alltag Individualität verleihen. Alles dies sind Kleinigkeiten und Besonderheiten, die einem Straßenbahnbetrieb die besondere und typische Note geben.

Inhalt

  Komfort ohne Oberleitung
  Wie eine Haltestelle zum Fallobst wird
  Auf großer Spur - Das Dreischienengleis
  Die nach oben offene U-Bahn
  Wieviele Wagen stecken im 510?
  H-Signale in Senne
  BNS = Sieker Mitte?
  Niedrigbahnsteige in Babenhausen Süd
  Die Stadtbahnhaltestelle Wellensiek Nord
  Nächste Haltestelle: Nikolai-Friedhof
  Mit der U-Bahn bis unter die Uni

Komfort ohne Oberleitung

Die Station Baumheide ist eigentlich schon insich eine kleine Kuriosität. Denn obwohl sie nur in einem Einschnitt liegt, wirkt sie einwenig wie eine U-Bahnstation, da sie teilweise mit einem Einkaufszentrum überbaut ist.

1977 hat man sie eröffnet. Bevor es ein Jahr später am 1. April weiter bis nach Milse ging, wurde sie von den Stadtbahnwagen M8S als Stumpfendstelle genutzt. Als Wendemöglichkeit wurde hinter der Station ein Gleiswechsel verbaut, der auch später Kurzfahrten bis hierher möglich machen sollte. Auch an den Komfort hatte man gedacht, es fanden nämlich bewegliche Herzstücke Verwendung.

Der Kenner mag sich zunächst wundern, wenn er auf den Zielfilmen der Stadtbahnen die Station Baumheide seit geraumer Zeit nicht mehr vorfindet. Bei genauem Hinschauen wird dies aber plausibel: Dem dortigen Gleiswechsel fehlt heute schlicht und einfach eine Oberleitung, was ihn unbenutzbar macht.


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Wie eine Haltestelle zum Fallobst wird

Wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Späne. Und wo man arbeitet, werden schonmal Fehler gemacht, davor ist niemand gefeit. Einem freudschen Irrtum unterlag wohl auch der Fahrplan der Nachtbuslinie N12, der da plötzlich an der "Pauluskir(s)che" halten sollte.


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Auf großer Spur - Das Dreischienengleis

Ob in der U-Bahnstation Beckhausstraße, zwischen Baumheide und Milse, auf Teilen der Herforder Straße, zwischen Eggeweg und Friedrich-List-Straße oder Rosenhöhe und Senne. Dort liegen sie noch. Schwellen, die für Dreischienenbetrieb ausgelegt sind.


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Sie stammen noch aus jenen Zeiten, in denen das Bielefelder Stadtbahnnetz sukzessive auf Normalspur umgerüstet werden sollte, um 2,65 Meter breite, stromschienengespeiste Stadtbahnwagen rollen lassen zu können. Später entschied man sich jedoch für die Beibehaltung des meterspurigen Systems unter Fahrleitung und ging im logischen Schluß vom Einbau der Normalspurschwellen wieder ab. Die letzten verbauten Schwellen dieser Art dürften auf dem 1979 sanierten Streckenabschnitt Rosenhöhe - Senne liegen.

Die nach oben offene U-Bahn

Heidegärten, Lutherkirche, Roggenkamp, Schelpmilser Weg und die Endstation Milse sind nur einige Beispiele. Hier leuchten dem Fahrgast Schilder mit weißem "U" auf blauem Grund von weitem den Weg und zeigen ihnen, wo sie zu ihrer Linie "abtauchen" müssen. Doch besonders auswärtige Fahrgäste staunen manchmal nicht schlecht, wenn beim Betreten der Haltestelle aus der vermeintlichen U-Bahn lediglich eine im Geländeeinschnitt fahrende Straßenbahn wird, deren Bahnsteige über wenige Stufen zu erreichen sind.


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Bei genauem Hinsehen erkennt man den feinen Unterschied. Mit der Konzeption von Stadtbahnsystemen - insbesondere in Nordrhein-Westfalen - wählte man als Emblem für das neue Verkehrsprodukt, das einen Mischbetrieb aus Straßenbahn und U-Bahn darstellt, das U-Bahnsymbol, ergänzt um den Schriftzug "Stadtbahn", das vielerorts als allgemeingültiges Zeichen auch an oberirdischen Haltestellen Verwendung findet.

Und dennoch gab es auch in Bielefeld symbolisch einmal einen "echten" U-Bahnhof. Die im Jahre 1971 eröffnete Haltestelle Beckhausstraße wurde bis kurz vor der Eröffnung des Haupttunnels mit dem klassischen weißen "U" auf blauem Grund beschildert.

Eine Besonderheit gibt es in diesem Zusammenhang an der Haltestelle Heidegärten zu sehen. Über dem "U" befindet sich eine Hinweisleuchte, die den herannahenden Fahrgästen zeigt, wenn eine Bahn in Richtung Innenstadt unterwegs ist. Ähnliche Anlagen (allerdings ohne "U") waren bis vor einigen Jahren auch an den Haltestellen Eggeweg und Oststraße installiert, wurden dann aber aufgegeben.

Wieviele Wagen stecken im 510?

"Zwei" - wäre wohl die meistlautende Antwort. Das jedoch ist nicht die ganze Wahrheit. Denn genau genommen stecken sogar drei Fahrzeuge in dem 1989 in eigener Werkstatt entstandenen Schienenschleifwagen.

Für den Umbau wurde auf die abgestellten Wagen 807 (GT8) sowie 832 (GT6) zurückgegriffen. Einige Jahre zuvor aber (genauer am 22. Januar 1983) erlitt das A-Teil des 807 einen so großen Unfallschaden, daß es durch den Kopf des GT6 Nr. 850 ersetzt werden musste. Fortan war der GT8 mit seinem "neuen" Vorderteil unterwegs und brachte damit auch einen Teil des Wagens 850 mit in den heutigen Arbeitstriebwagen. Somit besteht der 510 also aus Teilen der Wagen 807, 832 und 850.


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H-Signale in Senne

Außerhalb des Zugsicherungsbereiches befinden sich sogenannte F-Signale, auch als Balkensignale bekannt. Innerhalb des Zugsicherungsbereiches (zum Beispiel im U-Bahntunnel) werden die H-Signale benutzt, auch als Lichtsignale bezeichnet. Eine Ausnahme gibt es beim Ein- und Ausfahren der Schleife Senne. Dort wird der Stadtbahnverkehr auch ohne Zugsicherung mit H-Signalen geregelt.


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BNS = Sieker Mitte?

Jede Stadtbahnhaltestelle und -station verfügt über ein eigenes, dreistelliges Kürzel, über das sie betriebsintern identifiziert werden kann. So heißt der Jahnplatz beispielsweise "JPL", der Hauptbahnhof "HBF", die Koblenzer Straße wird mit "KOS" abgekürzt und auch das Depot in Sieker hat eine eigene Kodifizierung, nämlich "SID". Einen Ausreißer in diesem System stellt die Haltestelle Sieker Mitte dar, ihr wird das Kürzel "BNS" zugeschrieben.


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Des Rätsels Lösung: Man hat nach der neuen Namensgebung "Sieker Mitte" in den 80er Jahren nie ein neues Kürzel verwendet. Somit heißt die Haltestelle Sieker Mitte betriebsintern nach wie vor "Brennerstraße" (BNS).

Niedrigbahnsteige in Babenhausen Süd

In Babenhausen Süd gibt es an der Endstation neben den Hochbahnsteigen auch noch zwei niedrige Plattformen. Die eine befindet sich direkt auf der anderen Gleisseite des Einstiegs, die andere liegt in der Gleiskurve.


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Die Besonderheit dieser Endstelle liegt darin, bereits 1980 in Betrieb gegangen zu sein. Also wurde Babenhausen Süd bereits vor dem Vorhandensein der Stadtbahnwagen M8C angefahren. Da die Altfahrzeuge keine Hochbahnsteige bedienen konnten, wurden provisorische Seitenbahnsteige geschaffen, über die bis zur vollständigen Umstellung der Linie 3 auf Stadtbahnwagen der Ein- und Ausstieg erfolgte. Auch M8C kamen aufgrund des anfänglichen Mischbetriebs mit alten Wagen noch in den "Genuß" der Niedrigbahnsteige. Erst 1983 wurde der Hochbahnsteig seiner eigentlichen Funktion übergeben und war damit der erste in Bielefeld.

Die Stadtbahnhaltestelle Wellensiek Nord

"Das ist eine Bushaltestelle gewesen!". So könnte eine Korrekturaussage lauten. Richtig. Denn bis zur Inbetriebnahme der Linie 4 zum Lohmannshof wurde das Wohngebiet durch die Buslinien 21, 57 und 58 erschlossen. Zwischen Universität und dem Lohmannshof lag die Haltestelle Wellensiek Nord, die sich nicht unweit der heutigen Stadtbahnhaltestelle Wellensiek befand.

Hat man die Haltestelle mit dem M8C 551 erreicht, so wollte macher Fahrgast seinen Ohren nicht trauen. Denn als die automatischen Haltestellenansagen noch in männlicher Hand waren, bekam man (nur in diesem Fahrzeug) die Durchsage "Wellensiek Nord" zu Gehör.

  Ansage anhören (MP3)

Nächste Haltestelle: Nikolai-Friedhof

Es ist lange her, daß man diese Durchsage in den Straßenbahnen der Linie 2 hören konnte. Und selbst regelmäßige Benutzer nicht bei jeder Fahrt. Eine kleine Haltestelle auf der Herforder Straße, zum Schluß ihres Daseins fast schon bedeutungslos, dennoch mit einem interessanten Hintergrund.


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Unmittelbar im Rücken dieser Aufnahme lag sie, die Haltestelle Nikolai-Friedhof, kurz vor der Tunnelrampe zur U-Bahnstation Beckhausstraße. Letzmalig wurde sie in Fahrtrichtung Baumheide/Milse in der Fahrplanperiode Winter 1974/75 bedient. Danach wurde sie stadtauswärts - vermutlich in Zusammenhang mit dem Umbau der Herforder Straße (vierspurig mit eigenem Gleiskörper) - aufgegeben. Zur Stadtmitte hin erhielt sie noch einen schmalen Bahnsteig.

In den Liniennetzplänen tauchte der Nikolai-Friedhof fortan nur noch als "halbe Haltestelle" auf. Ein Kuriosum war, daß die Nummer der Haltestelle in Richtung Außenstadt trotz ersatzlosen Fortfalls erhalten blieb und somit bei einer Kurzstreckenfahrt voll mitzählte.

Im Netzplan von 1986 wurde das "stiefmütterliche" Dasein dadurch unterschrichen, daß der Nikolai-Friedhof zwar noch eingezeichnet (fälschlicher Weise sogar als "volle Haltestelle"), namentlich aber nicht mehr erwähnt war.

Am 28. April 1991 kam das endgültige Aus. Mit Eröffnung des Innenstadttunnels und der Beschleunigung des Stadtbahnverkehrs gehörte der Stop am Nikolai-Friedhof der Vergangenheit an. Heute erinnert an diese Haltestelle fast nichts mehr.

Mit der U-Bahn bis unter die Uni

Eine spannende, mysteriöse, ja fast schon unheimliche Geschichte kursiert seit "uni-gedenken" in Studentenkreisen, Mitarbeiterschaft und Bevölkerung. Unter dem Gebäude der Universität gebe es eine U-Bahnstation. Es heißt, sie sei im Hinblick auf eine spätere Anbindung bei der Bauplanung in den 60er Jahren sofort mit berücksichtigt worden.

In einem Zeitungsartikel von 1995 will ein Student sie bereits gesehen haben. Der Bahnhof sei etwa 15 Meter breit und 30 Meter lang, die Wände rot gekachelt. Widerum andere erzählen gar von einem Atombunker unter der Bildungsfabrik.

Eine Planungsvariante aus den 60er Jahren sah tatsächlich einmal eine Führung der Stadtbahn unter der Universität vor. Sie sollte von der Wertherstraße kommend das Gebäude samt Bahnhof unterqueren, um anschließend weiter in Richtung Dornberg und Werther zu fahren. Später wollte man den Tunnel (wie er heute der Linie 4 ähnlich ist) bis hinter die Kreuzung Voltmannstr./K.-Schumacher-Str. verlängern und auf dem Campus im Bereich der heutigen Parkhäuser ans Tageslicht führen.

Gibt es sie nun oder gibt es sie nicht - die Station direkt unter dem Uni-Gebäude? Von Seiten der Universitätsverwaltung wird die gesamte Geschichte als Anekdote gewertet. Es gebe lediglich eine Fahrstraße, die dem Personal und Lieferanten als Infrastruktur diene. Führt man sich die genannten Ausmaße der angeblichen Station - vor allem aus Sicht des damaligem Planungsstandards - vor Augen, lassen sie nicht den Schluß auf einen U-Bahnhof zu. Mit 15 Metern in der Breite noch akzeptabel, wäre eine Länge von nur 30 Metern bei weitem zu wenig! Für die Züge, die heute die Linie 4 befahren, sind Bahnsteiglängen von 70 Metern notwendig. Der damalige Standard umfasste zudem den Einsatz von bis zu Vierwagenzügen, so daß eine U-Bahnstation nach dem Stadtbahn-Rhein-Ruhr-Modell mindestens 90, wenn nicht 120 Meter gemessen hätte.

Fazit: Das Gerücht um die "U-Bahnstation Universität" muß wohl zumindest so lange als ein solches gelten, bis ein konkreter Beweis die Wahrhaftigkeit als Licht führt... ;-)

Fotonachweis

(1) = Archiv Stadtwerke Bielefeld
(2) = Matthias Gehrmann
(3) = Ralf Wittenberg
(4) = Christian Bergmann

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